Grüneberg ERINNERT


Engagierte Jugendliche, junge Erwachsene und weitere Interessierte haben sich im Jahr 2016 zum Arbeitskreis „Grüneberg erinnert“ zusammengefunden, um lokal eine demokratische Erinnerungskultur zu entwickeln und lebendig zu halten. Ein vorhandener Gedenkort an die kaum bekannte nationalsozialistische Ortsgeschichte wird dazu räumlich und inhaltlich aufgearbeitet und erweitert, um so für mehr Menschen von nah und fern zugänglich zu sein.

 

Ein Ort zum Erinnern

Im 1.200 Einwohner umfassenden Ort Grüneberg gab es vor und im letzten Weltkrieg eine Munitionsfabrik, in der täglich rund 4.500 Menschen beschäftigt waren. Ein Teil der Arbeitskräfte kam aus Grüneberg und der Umgebung, ein Teil aus dem Zwangsarbeiterlager, welches sich direkt neben der Fabrik befand und dem Ravensbrücker KZ-Außenlager, das sich auf der gegenüberliegenden Bahnseite befand. Etwa 1.800 Frauen wurden darin unter Folter und todbringenden Bedingungen gefangen gehalten und zur Arbeit in der Fabrik zur Herstellung von Geschossen gezwungen.


Den Weg gehen

Die Kontakte zu Überlebenden und weitere Recherchen liefern immer wieder genauere Informationen, beeindruckende Zeugnisse und Verknüpfungen zu anderen Orten. Sie motivieren und mahnen an, die Geschehnisse im Spiegel des heutigen Lebens und Lernens der Mitwirkenden und aller Interessierten zu verarbeiten.

Die Menschen in Grüneberg erlebten die Ungerechtigkeit und auch Grausamkeiten an den Inhaftierten sehr nahe mit. Einige schauten weg, andere versuchten zu helfen, andere wiederum machten sich selbst der Diktatur dienstbar. 75 Jahre nach den Geschehnissen und einer langen folgenden Zeit des weitgehenden Schweigens haben die hier lebenden Menschen durch die Initiative des Arbeitskreises eine besondere Chance, offen und fragend erneut zurück zu schauen:

Wie hat das funktioniert mit dem Wegschauen? Wie wird man gleichgültig?

Was bedeutet dagegen Anteilnahme? Wie kann ich mutiger werden, beherzter handeln, mich einmischen, wo es wichtig ist?

Vor allem die Jüngeren unter den Engagierten wünschen sich dabei für die Zukunft konkret für alle Menschen gleichermaßen zugängliche und pädagogisch durchdachte Formen, diese Auseinandersetzung zu führen und zu begleiten:

Den Weg zu gehen und das große Potential zu nutzen,

das Lernen aus dem Vergangenen miteinander vor Ort statt nur in den Geschichtsbüchern,

das Durchschauen der Mechanismen von Unterdrückung und Ausgrenzung –

all dies kann vor wiederholenden Tendenzen schützen und den Willen zur Demokratie nähren – wenn wir uns aufmachen.

Machen wir uns auf!

 

Der Arbeitskreis: vielfältige Stimmen – bunte Motive

„Die Frauen haben viel durchgemacht, und was erstaunlich ist, dass sie die Qualen so ausgehalten und allem standgehalten haben.“

„Wir sind die Trägergeneration für das Zukünftige. Unsere Aufgabe ist es, die nachfolgenden Generationen zu warnen.“

„Wir stehen für Zusammenhalt und Solidarität und nicht für Hetze und Spaltung der Gesellschaft.“

„Wir wollen auf diesen dunklen Teil der Geschichte in besonderer Weise schauen, in welchem Menschen die tödliche Macht einer Diktatur zu spüren bekamen.“

„Ich finde es wichtig zu gedenken, weil das alles von den meisten Menschen in Vergessenheit gerät.“

„Rechtsextreme Tendenzen in Europa sind präsent. Es geht um unsere Zukunft und eine Erinnerungskultur ist für mich unverzichtbar.“


Die Initiative „Grüneberg erinnert“ der Kirchgemeinde Grüneberg ist im Rahmen des Projektes „überLAGERT – lokale Jugendgeschichtsarbeit an Orten ehemaliger KZ-Außenlager“ entstanden.

cb9c00cba32824e32926eb23e8e8229ad31ae2c4

Der Landesjugendring Brandenburg e.V. als Programmträger des „überLAGERt“-Projektes gibt in Kooperation mit der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten – hier insbesondere der Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück und der Gedenkstätte und dem Museum Sachsenhausen -, dem Brandenburgischen Landesamt für Denkmalpflege und der Stiftung „Großes Waisenhaus zu Potsdam“ Jugendlichen die Möglichkeit, die Geschichte des Nationalsozialismus lokal zu erforschen.

03_Logo_SBG_1
02_BLDAM_rgb
Waisenhaus
FS_Logo_komplett_hoch
Roemer_Stifung_Original_1
AM_Foerderungs_Logo_RGB
logo_ljr_brb_jpg

Gefördert wird das Projekt von der Aktion Mensch, der Kurt und Herma Römer Stiftung sowie der F.C. Flick Stiftung – gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Intoleranz.

E-Mail
Anruf
Instagram